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Seite 1 von 2 Es gab nicht nur Schach in Amsterdam! Besonders das Go-Turnier war, nun, vielleicht nicht spannend, aber interessant, denn es zeigte die gnadenlose Überlegenheit der Monte-Carlo-Programme, die ihre Bewertung per Zufallspartien auswürfeln, über die seit 15 Jahren handgeschnitzten heuristischen Programme. Warum das so ist, hat der Spiritus Rector der Monte-Carloisten, Remi Coulom, im CSS-Interview erklärt. Highlight der Go-Olympiade war der Auftritt von Guo Juan, einer Profi-Spielerin, die die Entscheidungspartie der beiden stärksten Programme kommentierte und danach selbst mal gegen den Sieger antrat.
Da sitzt eine kleine Chinesin vor einem Monitor, mit Kopfhörern und Mikrofon. Über das Alter einer Dame spekuliert man nicht, nur soviel: sie hat schon ein paar graue Strähnen im Haar. Diese Dame, die in Holland lebende Guo Juan, spielt das beste Go in Europa. Ihr Rang: der 5. Profi-Dan. Und sie kommentiert die Finalpartie zwischen MoGo und CrazyStones live auf ihrer Webseite www.audiogolessons.com. Guo Juan hat Spaß, lobt einige Züge, wundert sich über andere und kommentiert alles sehr humorvoll. Das ist, rein durch die Spielstärkebrille betrachtet, als ob Garri Kasparow bei einer Zirkus-Vorführung die Züge zweier Schimpansen kommentieren würde.
 | | Guo Juan, 5p-Dan, kommentiert humorvoll die Entscheidungspartie zwischen MoGo und CrazyStones |
Go-Spieler bestimmen die Spielstärke traditionell in Kyu- und Dan-Graden. Ein Anfänger, der gerade gelernt hat, die Steine zu setzen, bekäme den 30. Kyu-Grad. Wird er besser, reicht es bald zum 29. Kyu, und so weiter, bis zum 1. Kyu. Danach wird er 1. Amateur-Dan, dann 2. Dan ... insgesamt sieben Amateur-Dan-Grade gibt es. Danach folgen neun Profi-Dan-Grade. Durch das große Brett und die längeren Partien mit vielen Nebenkriegs-Schauplätzen existieren im Go weit weniger Schummel-Chancen als im Schach, sodass der stärkere Spieler sich auch in Einzel-Partien fast immer durchsetzt. Spielstärke-Unterschiede gleichen die Go-Spieler durch Vorgaben aus, eine Anzahl von Steinen, die der schwächere Spieler vor Spielbeginn auf definierte Brettpunkte legen darf. Ein Unterschied von einem Kyu- oder einem Amateur-Dan-Grad entspricht einem Vorgabe-Stein – ein 2. Kyu würde einem 5. Kyu also drei Steine gewähren. Bei den Profis sind die Unterschiede geringern.
 | | Siegerehrung: Prof. Jaap v.d. Herik verleiht den MoGo-Entwicklern Sylvain Getty und Yizao Wang die Goldmedaille |
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 | | Die Sieger: links Vize-Champion Remi Coulom, in der Mitte die MoGos Silvain Getty und Yizao Wang, rechts der GnuGo-Operator |
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 | | Die Go-Leute hatten keine Bretter dabei wie die Schachspieler, sondern zockten ihre Partien auf einem Internet-Server |
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 | | Guo Juan spielt eine Vorgabe-Partie gegen MoGo |
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 | | Die Partie lief über den Internet-Server KGS, beide Seiten spielten am Rechner, und Yizao Wang setzte für die Zuschauer vor Ort auf einem Hardware-Go-Brett die Züge auf |
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 | | Es ist nicht mehr viel zu sehen davon, dass Schwarz mit neun Steinen mehr angefangen hat ... |
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Wie stark spielt denn nun Guo Juan? Um es mit dem Schach zu vergleichen: Ein Schachspieler, der direkt auf dem Kamm der gauß‘schen Glockenwelle reitet, also absolut durchschnittlich spielt (was ca. 1600 DWZ entspricht), kann von Garri Kasparow vielleicht nicht die Dame, aber doch einen Turm und zwei Bauern vorgegeben bekommen und wird vermutlich trotzdem meistens verlieren. Und jetzt stellen Sie sich vor, es gäbe jemanden, der Garri Kasparow einen Turm und zwei Bauern vorgeben könnte, dann haben Sie eine ungefähre Ahnung vom Unterschied zwischen der Go-Spielerin Guo Juan und jemandem, der absolut durchschnittlich Go spielt.
Der Sieger der Computer-Olympiade, MoGo, spielt etwa auf dem Level eines 3. Kyu, und so war es für die Profi-Spielerin gar kein Problem, MoGo trotz neun Vorgabesteinen leicht vom Brett zu wischen – und zwar ohne nachzudenken, denn für die gesamte Partie gab es nur zehn Minuten Bedenkzeit, was angesichts der typischerweise ca. 150 Züge pro Partie weniger Zeit zum Nachdenken lässt als eine Blitzschach-Partie.
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