|
Seite 2 von 3
Leela
Beim Programmstart präsentiert Leela ein frei in der Größe veränderbares Spielfenster, in dem auf einem 9x9-Brett der Spieler fünf Vorgabesteine hat. Das ist auch für ein Programm, das 9x9 auf Hoch-Dan-Niveau spielt, ein bisschen zu optimistisch, denn natürlich bekommt auch der weltbeste Go-Spieler da nichts mehr ans Leben. Es handelt sich um den Meisterschafts-Modus; per "rated game"-Button kann man sein Rating (am Anfang 30. Kyu) verbessern und bekommt dabei immer weniger Vorgabesteine. Natürlich ist man nicht auf gewertete Spiele beschränkt, sondern kann auch mit frei konfigurierbaren Parametern ein Spielchen wagen, also klickerdiklack, neue Partie. Der Benutzer bekommt ein kleines Einstellungs-Fenster:
Neben leichtverständlichen Einstellungen wie Brettgröße, Farbe, Komi, Handicap und Zeit pro Partie taucht auch eine Möglichkeit auf, die Anzahl der Simulationen pro Zug zu wählen. Das ist eine Eigenheit der Technik, auf der die Engine basiert: sie spielt Zufallspartien gegen sich selbst und wählt den Zug, der am besten abschneidet (detaillierter wird das im Abschnitt "So denken UCT-Programme" erklärt). Über die Anzahl der Simulationen steuert man die Genauigkeit der Zugermittlung, letztlich also die Spielstärke. Je mehr Simulationen, desto stärker spielt Leela.
Und sie kann verdammt stark spielen; auf dem kleinen Brett so gut wie ein Profi-Dan, auf 19x19 immerhin noch wie ein an der Schwelle zum Amateur-Dan stehender Kyu. Übersetzt in Schachausdrücke hätten wir also einen 9x9-Großmeister und einen 19x19-FIDE-Meister.
Die GUI sieht sehr übersichtlich und aufgeräumt aus; die wichtigsten Funktionen wie Laden, Speichern, Neues Spiel, Zug vor/zurück, Passen, Ziehen, Aufgeben, Analysemodus und Spiel auszählen warten zusätzlich zum Menü noch in einer Buttonleiste darauf, angeklickt zu werden. Als Format beim Speichern und Laden benutzt Leela den Internet-Standard SGF und kann daher Partien aller gängigen Programme verarbeiten. Per Menübefehl kann man Leela veranlassen, die bisher (wahrscheinlich) eroberten Gebiete und eventuelle Moyos, also besonders große Gebietsanlagen, anzuzeigen und im weiteren Spiel markiert zu lassen.
 | | Leela spielt nicht nur 9x9, sondern auch auf 13x13 und 19x19 Felder großen Brettern |
Ein wichtiger Unterschied zu anderen Go-Programmen besteht im Analysemodus. Bei Schachprogrammen seit Urzeiten selbstverständlich, war bislang anscheinend niemand daran besonders interessiert, eines Go-Programmes Meinung zu einer Stellung einzuholen, weshalb praktisch keine Go-Software eine stinknormale Daueranalyse sinnvoll unterstützt. Außer Leela, das sich nach dem Willen ihres Programmierers Gian-Carlo Pascutto immer weiter in Richtung Analysetool entwickeln soll: "Ich habe großes Augenmerk auf eine einfach zu benutzende Oberfläche gelegt, die ideal für ein schnelles Spielchen ist. Es wird in der Zukunft noch viele weitere Funktionen geben, die Analysen unterstützen. Das letzte Update 0.3.8 war ja schon ein Schritt in diese Richtung."
Die Vollversion von Leela kostet 50 Euro; wer das einäugige Mädel erstmal ausprobieren möchte, kann gratis eine eingeschränkte Version von Gian-Carlos Webseite herunterladen.
|