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Seite 1 von 6 Wer einer typischen Computer-Anzeige wie „plus 0,8 Bauern“ blind vertraut, kennt die Rechner nicht. Natürlich muss man in die Varianten hineingehen ... aber wann ist es genug? Wenn Sie selbst die Stellung klar bewerten können, wenn der Computer plus zwei anzeigt, oder plus drei? Es hängt von der Position ab: Computer sind tolle Analysehilfen, aber es gibt noch etliche Stellungstypen, in denen sie ziemlich neben der Spur laufen und die fachliche Unterstützung des Menschen brauchen.
London, Dezember 2000: Wladimir Kramnik zieht Kasparows Eröffnungsvorbereitung mit der Berliner Verteidigung die Zähne. Nach seinem Matchsieg sagt er, er habe absichtlich eine Variante gespielt, die Computer nicht gut verstehen, um seinem zu computergläubigen Gegner maximale Probleme zu bereiten.
Brissago, Oktober 2004: Derselbe Wladimir Kramnik opfert gegen Peter Leko die Dame, um einen unaufhaltbaren Freibauern zu bilden:
Kramnik - Leko, Brissago 2004
6k1/5p1p/p1pb1nq1/1P4p1/3P4/1BPb1PP1/1P1NrQ1P/R1B3K1 w - - 0 24
Schachprogramme finden eine gewisse Zeit Dxe2 ungeheuer attraktiv, weil sie den a-Bauern durchlaufen sehen. Weiß kann tatsächlich umwandeln und zieht sogar mit Schach ein, wird aber dennoch mattgesetzt, bevor er von seinem Materialvorteil profitieren kann: 24.Dxe2 Lxe2 25.bxa6 Dd3 26.a7 (Kramnik roch hier den Braten und zog 26.Kf2, verlor aber trotzdem) 26...De3+ 27.Kg2 Lxf3+ 28.Sxf3 De2+ 29.Kg1 Sg4-+ Die Vermutung, er habe in der Vorbereitung einfach nur den Computer nicht lange genug laufen lassen oder zu blind dessen Einschätzung vertraut, wies Kramnik übrigens zurück.
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